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Zu viel? Gibt's nicht!

Aktualisiert: Jan 3

Das Kulturmagazin THE GAP hat in seiner aktuellen Ausgabe neben anderen Kulturschaffenden auch das Kollektiv DARUM um ein Statement zur Frage nach der Förderlandschaft in Österreich gebeten. Wie viel institutionalisiertes Geld braucht und verträgt die Freie Szene? Hier unser Statement:


Ja, sicher: Geld allein macht noch keine spannende Kunst, erzeugt nicht automatisch zusätzliche, gut ausgestattete Spielorte mit fairen Koproduktionsbedingungen, stampft keine Probenraum- und Büroinfrastruktur aus dem Boden. Ohne Geld aber bleiben all die guten, längst vorhandenen und ausformulierten Überlegungen lediglich Ideen, für die die Ressourcen fehlen. Eine alte Leier, die eigentlich mittlerweile alle Seiten gleichermaßen anöden sollte: Zeit, Fakten zu schaffen!


KünstlerInnen möchten sich ästhetischen Fragen stellen, nicht als demütige BittstellerInnen ihre eigene Armut verwalten. Der Vorwurf an die KünstlerInnen, sich schließlich selbst chronisch unter Wert zu verkaufen, ist im Angesicht mangelnder Alternativen zynisch: Wer Kunst macht, macht dies aus Leidenschaft, der freiwillige Arbeitsverzicht aufgrund zu schlechter Bezahlung tut daher doppelt weh. Kaum weniger problematisch ist es daher, angesichts eines derart eklatanten Fördermittelmangels über ein mögliches »Zuviel« an Förderung nachzudenken: Außer den politisch Jenseitigen spricht auch niemand von einem »Zuviel« an gesetzlicher Krankenversicherung, einem »Zuviel« an Mindestsicherung oder einem »Zuviel« an gefördertem Wohnbau. Staatliche Mittel stellen die (Über-)Lebensgrundlage darstellender KünstlerInnen in Österreich dar, künstlerische Freiheit und Selbstbestimmung entstehen durch soziale Sicherheit und die Gewissheit, kontinuierlich arbeiten und auch mal scheitern zu dürfen, ohne das nächste Projekt (und das eigene Auskommen) zu gefährden. Fördergremien, die genügend Mittel für alle zu verteilen haben, könnten überdies von verhasst-gefürchteten, aber letztlich hilflosen Gerichten über Kunstleben und Stop-and-Go-Arbeitslosigkeit zu PartnerInnen auf Augenhöhe werden: inspirierend und (unverbindlich!) kuratorisch beratend.


Keine Frage: Auch wir Kunstschaffenden müssen ein scharfes Bewusstsein für unsere eigene Rolle im Kontext politischer und ökonomischer Strukturen entwickeln und unsere Forderungen nach signifikanten Verbesserungen konsequent und untereinander solidarisch nach außen tragen. Um die prekäre Lage von KünstlerInnen zu verbessern, bedarf es jedoch vor allem eines reformwilligen Problembewusstseins seitens der Politik, das die Komplexität dieser Herausforderungen in einer kulturpolitischen Strategie mitdenkt. Ganz konkret bedarf es dringend einer buchstäblichen Vervielfachung der derzeitigen Fördermittel für die Freie Szene; darüber hinaus wären weitergehende Verbesserungen der sozialen Absicherungen freier KünstlerInnen (nicht zuletzt in Hinblick auf die häufig reale Gefahr späterer Altersarmut), sowie längst überfällige steuerrechtliche Erleichterungen für private Kulturstiftungen, wie sie in anderen Ländern existieren, willkommene Ergänzungen im Kampf gegen die Prekarisierung freier Kunst. 


Die anderen Beiträge zum Thema finden sich auf der Website von THE GAP.


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